Sommerkonzert 2022

SHAKESPEARE IN HARMONY

Samstag, 25. Juni, 20.00, ref. Kirche Wald

Sonntag, 26. Juni, 20.00, ref. Kirche Rüti

 

Daniel Hildebrand, Mundharmonika

Orchesterverein Rüti

Leitung: David Schwarb

 

Johann Adolph Hasse (1699 - 1783): Ouvertüre zur Oper «Antonio e Cleopatra»

Henry Purcell (1659 - 1695): Suite aus der Oper «The Fairy-Queen»

William Walton (1902 - 1983): 2 Stücke aus dem Film «Henry V»

Gordon Jacob (1895 - 1984): 5 Stücke für Mundharmonika und Streichorchester

Peter Tschaikowsky (1840 - 1893): 2 Entr’actes aus der Schauspielmusik zu «Hamlet» op. 67a

Kurt Atterberg (1887 - 1974): Suite aus der Schauspielmusik zu «Antonius und Kleopatra» op. 29

 

Shakespeare und die Schafdärme - Anmerkungen zum Programm

 

«Ist es nicht seltsam, dass Schafdärme die Seele aus dem Leib eines Menschen ziehen können?» Diese Frage legt William Shakespeare in seiner Komödie «Viel Lärm um nichts» dem scharfzüngigen Benedikt in den Mund: Der macht sich über Freunde lustig, die sich vom Klang gestrichener und gezupfter Saiten verzücken lassen. Es ist einer von vielen Momenten, in denen sich Shakespeare und die Musik begegnen. Shakespeares Werk ist voll von Musik. Und die Musikgeschichte ist voll von Shakespeare. Lieder, Schauspielmusiken, Opern, Ballette, Musicals, Filmmusiken: Laufmeterweise Musik ist in den letzten 400 Jahren rund um Shakespeare entstanden. Der OVR greift aus diesem Universum einige Werke heraus, die auf besagten Schafdärmen gespielt werden: Auf den Saiten von Streichinstrumenten.

 

Das Programm beginnt und endet bei Antonius und Cleopatra, dem Shakespeare-Paar, das zwischen Liebe und Macht zerrieben wird und am Ende gemeinsam in den Tod geht. Johann Adolph Hasse hat die beiden 1725 in einer Oper porträtiert, deren Ouvertüre das Programm eröffnet. Der schwedische Komponist Kurt Atterberg hat 200 Jahre später eine Bühnenmusik zu dieser Tragödie geschrieben. Er illustriert darin die Szenerie aus der Antike mit einer herben, archaischen Harmonik, und er spiegelt das psychologische Spannungsfeld des Dramas in einem Wechselspiel aus unbeschwerten Miniaturen und schluchzenden Elegien.

 

Dazwischen eröffnen sich Perspektiven auf drei weitere Shakespeare-Stücke. Der englische Barockmeister Henry Purcell entführt uns in die Fantasiewelt des «Sommernachtstraums», durch die er nicht nur Feen, sondern auch Affen tanzen lässt. Zwei Streichersätze aus William Waltons Musik zum Film «Henry V» von 1944 erzählen vom Abschied: Sie erklingen zur Szene, in der drei einfältige Soldaten vor dem Feldzug gegen Frankreich zunächst den Tod ihres Anführers betrauern und dann ihrer Mätresse Lebewohl sagen. Und auch aus Peter Tschaikowskys «Hamlet»-Schauspielmusik kommen zwei Streichersätze zusammen: Sie eröffnen den dritten Akt mit dem berühmten Hamlet-Monolog «To be or not to be» bzw. den vierten Akt, in dem Rachepläne und Mordkomplotte die Szene dramaturgisch aufladen. 

 

Und dann hat mittendrin noch ein Instrument seinen Auftritt, das in klassischen Konzerten sonst kaum je eine Hauptrolle spielt: Die Mundharmonika. Die «Five Pieces for Harmonica and Strings», die Gordon Jacob 1957 für den Mundharmonika-Virtuosen Tommy Reilly geschrieben hat, nehmen nicht direkt auf Shakespeare Bezug – aber ein Zufall ist es kaum, dass ein Komponist aus dem Land Shakespeares diese musikalischen Szenen geschrieben hat: Die Mundharmonika setzt sich da gleichsam verschiedene Masken auf und verbindet, ganz im Geist einer Shakespeare-Komödie, kecken Witz mit schwelgerischer Sehnsucht.