ADVENTSKONZERT 2021

Samstag, 27. November, 20.00, ref. Kirche Rüti

Sonntag, 28. November, 17.00, ref. Kirche Rüti

 

HAMBURG NORD

 

Georg Philipp Telemann (1681−1767): Orchestersuite C-Dur TWV 55:C2

Ferdinand Zellbell (1719−1780): Lamento für Oboe, Fagott und Streicher

Johan Agrell (1701−1765): Flötenkonzert D-Dur

Harald Sæverud (1897−1992): Rondo amoroso 

Max Bruch (1838−1920): Serenade nach schwedischen Volksmelodien

 

Katharina Egli, Flöte

Orchesterverein Rüti

Leitung: David Schwarb

 

 

Zum Programm:

 

In Hamburg gibt es T-Shirts zu kaufen, auf denen steht: Alles südlich der Elbe ist Norditalien. Der Satz mag flapsig sein, aber es steckt ein gutes Stück Hamburger Geschichte drin. Hamburg war über das Handelsnetzwerk der Hanse jahrhundertelang stark mit dem nördlichen Teil Europas verbunden, wirtschaftlich und kulturell. Von «Norditalien» aus gesehen war und ist die Stadt ein Tor zum Nord- und Ostseeraum. Und das ist sie auch in diesem Konzert, in dem die Wege von Hamburg aus nach Schweden und Norwegen führen.

 

Hamburg sei die Stadt, wo die Musik gleichsam ihr Vaterland zu haben scheinet. Das hat einer geschrieben, der es wissen musste: Georg Philipp Telemann. Er hat das Musikleben der Stadt 46 Jahre lang geprägt, als Musikdirektor der fünf Hamburger Hauptkirchen, aber auch als Veranstalter von Konzerten, in denen er fast Woche für Woche neue Werke vorstellte – Orchestersuiten etwa. Telemann hat Hunderte von ihnen geschrieben, lauter geistreiche, unterhaltende Werke wie die C-Dur-Suite, die am Anfang dieses Konzert steht.

 

Eine Generation jünger als Telemann sind die beiden schwedischen Komponisten, von denen es in diesem Programm je eine Trouvaille zu hören gibt. Der erste, Ferdinand Zellbell, war als junger Mann für kurze Zeit Telemanns Schüler, später wurde er in Stockholm Kapellmeister am Königshof. Sein Lamento, ein Spätwerk von einer verblüffenden, in sich kreisenden Klanglichkeit, hat er 1771 zur Begräbnisfeier von König Adolf Friedrich komponiert. Der zweite Schwede, Johan Agrell, hat lange in Kassel gewirkt. Sein Dienstherr dort, ein Bruder des schwedischen Königs, hat sein Geld bis zur Verschuldung dafür verwendet, Virtuosen aus Frankreich und Italien auf sein Schloss einzuladen. Und für einen dieser Gäste dürfte Agrell sein elegantes und empfindsames D-Dur-Flötenkonzert geschrieben haben.

 

Eine ganz andere, romantische Färbung hat der zweite Teil des Programms. Er beginnt mit einem Abstecher nach Norwegen, in die Heimat von Harald Saeverud. Er hat ein imposantes sinfonisches Oeuvre hinterlassen, bekannt geblieben sind aber vor allem kürzere Stücke von ihm wie das Rondo amoroso von 1941, ein Kleinod mit zart-melancholischen Melodielinien. Kaum sind die verklungen, führt uns der deutsche Romantiker Max Bruch zurück nach Schweden. Er hat sich jahrelang mit der schwedischen Volksmusik beschäftigt, und in seiner Streicherserenade hat er einigen seiner Lieblingsmelodien ein massgeschneidertes, expressives Klangkleid mitgegeben. Das Stichwort amoroso steckt implizit übrigens auch in diesem Werk: Der zweite und der vierte Satz basieren auf alten schwedischen Liebesliedern.