Sommerkonzert 2018

Kleine Suiten - Grosse Konzerte

 

Samstag, 23. Juni 2018, 20 Uhr - Reformierte Kirche Wald

Sonntag, 24. Juni 2018, 20 Uhr - Reformierte Kirche Rüti

 

Orchesterverein Rüti

Fabienne Romer, Klavier

David Schwarb, Leitung

 

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Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Concerto grosso B-Dur op. 6/7

 

Max Hengartner (1898-1958)

Kleine Suite für Streichorchester (1953)

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Klavierkonzert C-Dur KV 415

 

Carl Nielsen (1865-1931)

Kleine Suite für Streichorchester a-Moll op. 1

 

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Musik zwischen «gross» und «klein»


Lässt sich die Grösse von Musik messen? Man müsste es meinen: Oft genug ist von «Grosser Musik» die Rede, wenn Bach, Beethoven oder andere Säulenheilige der Musikgeschichte in den Blick geraten. Wer aber die Massstäbe definieren will, an denen sich die Grösse von Musik objektiv messen liesse, gerät in Schwierigkeiten. Sollte man die Begriffe «gross» und «klein» beim Nachdenken über Musik also besser vermeiden? Vielleicht. Bloss – bei diesem Programm ist das nicht möglich: Es ist um dieses Begriffspaar herum gestaltet.

 

Da stehen auf der einen Seite zwei «Kleine Suiten». Hier scheint sich das Etikett «klein» zunächst nur auf die eher geringe Ausdehnung der Werke zu beziehen. Der Titel «Kleine Suite» impliziert aber mehr als das – denn er steht in einer Tradition: Viele Komponisten der Spätromantik und der frühen Moderne verwenden ihn, um einen ästhetischen Kontrapunkt zur Sinfonik mit ihrer komplexen Architektur zu schaffen. Formale Übersichtlichkeit und ungezwungene Schönheit sind in diesen Werken die wesentlicheren Ideale als «Grösse».

 

Der Däne Carl Nielsen stellt in diese Tradition sein Erstlingswerk. Mit 22 Jahren schreibt er seine Kleine Suite op. 1, die noch nicht sinfonische Gipfel stürmt, aber schon handwerkliche Meisterschaft und grosse poetische Kraft offenbart – ein Juwel! Und Max Hengartner? Er schreibt seine Kleine Suite für den Orchesterverein Rüti, den er von 1943 bis 1957 leitet. Und ihm gelingt der Spagat, «bei geringsten technischen Ansprüchen der Spielfreudigkeit unserer Liebhaberorchester eine dankbare Aufgabe» zu stellen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Auf der anderen Seite stehen, als Gegenpol zu diesen Suiten mit ihrer programmatischen Grösse im Kleinen, zwei «Grosse Konzerte». Beim einen, Georg Friedrich Händels Concerto grosso B-Dur op. 6/7, steht die Grösse im Titel. «Grosso»… In der Gattungsgeschichte des Concerto grosso bezeichnet das Adjektiv zunächst nur die eher grosse Orchesterbesetzung. Bei Händel definiert sich das Concerto grosso darüber hinaus aber längst auch schon über ein Höchstmass an Originalität, wie es sich in diesem Stück exemplarisch manifestiert.

 

Originalität als Mass für musikalische Grösse? Wolfgang Amadeus Mozart differenziert: In einem Brief an seinen Vater charakterisiert er die ersten drei seiner Wiener Klavierkonzerte, zu denen auch das C-Dur-Konzert KV 415 gehört: «Die Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht. Sie sind natürlich, ohne in das Leere zu fallen. Hie und da können Kenner allein Satisfaction erhalten, doch so, dass die Nichtkenner damit zufrieden sein müssen, ohne zu wissen warum.» Wahrlich ein grosser Satz über grosse Musik!